Experten diskutierten HGÜ-Stromübertragung mit Supraleitern - ivSupra
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Experten diskutierten HGÜ-Stromübertragung mit Supraleitern

Experten diskutierten HGÜ-Stromübertragung mit Supraleitern 

Am 12. und 13. Mai 2011 hatte das Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam zu einem Experten-Workshop eingeladen. Das neu geschaffene IASS soll anspruchsvolle und neuartige Ansätze zu hochrelevanten Nachhaltigkeitsthemen, zum Beispiel Klimastabilität, Ressourceneffizienz, umwelt- und sozialverträgliche Wirtschaftsdynamik und nachhaltige technologische Entwicklungen etc., erschließen. Als Teil des IASS betreibt der E3-Cluster Grundlagenforschung in den Bereichen Energie und Umwelt und verbindet dabei theoretische und experimentelle Forschungsgebiete. Vom E3-Cluster wird beispielsweise der Austausch von Standard-HGÜ-Leitungen (HGÜ = Hochspannungs-Gleichstromübertragung) durch supraleitende Gleichstromleitungen erforscht. Im Mittelpunkt des Workshops stand die Übertragung extrem hoher Leistungen (über 10 GW) über lange Strecken. Die Nutzung regenerativer Energiequellen (Wind, Wasser, Geothermie und Solar) erfordert innovative Konzepte, um große Energiemengen von den Kraftwerksstandorten zu den Verbrauchsschwerpunkten zu transportieren – beispielsweise zu den Ballungszentren Mitteleuropas oder den dicht besiedelten Küstenregionen von Amerika und China.

Der Wissenschaftliche Direktor des IASS, Nobelpreisträger Prof. Carlo Rubbia, hatte mehr als 40 internationale Fachleute aus den Bereichen Energietechnik und Supraleitungstechnik nach Potsdam eingeladen, darunter auch den Nobelpreisträger Alexander Müller. Die Wissenschaftler diskutierten über Lösungsansätze in der Fernübertragung und die Machbarkeit supraleitender Hochleistungskabel. Dabei wurde schnell klar: Bei allen diskutierten Übertragungsalternativen, ob Ultrahochspannungs- oder Hochspannungs-Gleichstromübertragung sowie Supraleitung, ist noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten. 

 Die Idee, Supraleiter zur Hochleistungsübertragung zu nutzen, ist fast so alt wie die Supraleitung selbst; Studien dazu existieren seit über 40 Jahren (R.L. Garwin, J. Matisoo, „Superconducting lines for the transmission of electrical power over great distances“, 1967). Aber erst mit der Verfügbarkeit von Hochtemperatur-Supraleitern erscheint das Ganze aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Sicher werden noch einige Jahre vergehen, bis sich die Supraleitung zu diesem Zweck etablieren kann. Ähnlich wie bei anderen neuen Übertragungsverfahren werden erst kürzere, dann längere Pilotstrecken die nötigen Betriebserfahrungen liefern. Aus technischer Sicht steht der Umsetzung jedoch nichts im Wege. Wie Garwin und Matisoo bereits feststellten, ist es daher keine Frage, ob man es machen kann, sondern ob man es machen will. 

 Es bleibt zu hoffen, dass in Zeiten von Energiewende und Klimaschutz der politische und gesellschaftliche Wille erstarkt, damit nicht nur bei der Stromerzeugung umgedacht wird, sondern auch bei der Stromübertragung, und dadurch Paradigmenwechsel ermöglicht werden. 

 

Teilnehmer des Experten-Workshops im Mai 2011 am IASS-Potsdam

Weitere Informationen: www.iass-potsdam.de