Supraleitung auch für Desertec-Konzept interessant - ivSupra
Verband ivSupra
Supraleitung auch für Desertec-Konzept interessant

Supraleitung auch für Desertec-Konzept interessant

Kalte Verbindungen für Wüstenstrom

Die Idee der Desertec-Foundation ist, Strom im großen Stil klimafreundlich zu erzeugen: In den Wüsten Nordafrikas und des Nahen Ostens, wo saisonunabhängig „Sonnengarantie“ besteht, soll effektiv Solarstrom produziert und zum Beispiel zu verbrauchsintensiven Regionen in Europa transportiert werden. Solarthermie würde dabei für Kontinuität sorgen, denn die geplanten Kraftwerke erzeugen – im Gegensatz zu Photovoltaik – auch nach Sonnenuntergang noch Strom.
„Die größte Nuss gibt es beim Export über Transportleitungen zu knacken“, so Fritz Vahrenholt, Chef von RWE Innogy in seinem Artikel in den VDI-Nachrichten (Ausgabe 7.8.2009). Befreit von Landes- oder kontinentalen Grenzen und mit effizienter Übertragungstechnik wäre ein Energietransport möglich, ohne dass die Transportverluste den Vorteil der guten Sonnenstrom-Ausbeute verzehren. „Für die eigentliche Stromdurchleitung ist dabei nur die modernste, verlustarme Netztechnologie geeignet“, betonte Dagmar Wöhrl, Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, anlässlich der Gründung der Desertec-Industrieinitiative. Die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) spielt in dem Themenumfeld eine wichtige Rolle, da sie große Energiemengen mit nur einem Fünftel der Verluste von Wechselstromleitungen transportieren kann. 

 Supraleitung, wenn es eng wird

Das BMWi habe einen neuen Förderschwerpunkt „Stromnetze der Zukunft“ geschaffen, so Wöhrl. „Er beschäftigt sich unter anderem mit der Übertragung großer Strommengen über große Entfernungen und mit der Weiterentwicklung der Supraleitertechnik.“ Letztere liefert die Lösung, wenn es auf Kompaktheit ankommt: Supraleiterkabel transportieren – ihre Kühlung und den Kryomantel bereits eingerechnet – ein Mehrfaches an Strom als Kupferkabel gleichen Querschnitts. Sie eignen sich daher zum Stromtransport, wo geographische Gegebenheiten zu einer platzsparenden unterirdischen Verbindung zwingen.
Supraleiter harmonieren mit der Gleichstromübertragung: Während an einem Übergang von der HGÜ-Strecke auf das Wechselstromnetz teure Netzkomponenten notwendig wären, kann der Supraleiter Gleichstrom transportieren. Ein doppelter Vorteil: Die Supraleitermaterialien – bei Wechselstrom bereits fast widerstandslos – weisen bei Gleichstrom Verluste nahe null auf. Potenzielle Einsatzgebiete der Supraleiterkabel wären daher zum Beispiel Unterquerungen und Tunnels bzw. alle Stellen, an denen hochbelastbare Stromverbindungen mit HGÜ aus technischen oder wirtschaftlichen Gründen nicht umzusetzen sind.
Ein weiteres Einsatzgebiet der Supraleitung wäre – unabhängig von der Herkunft des Stroms – die unterirdische Verteilung in Ballungszentren, wo beispielsweise leistungsfähige Trassen auf Mittelspannungsebene gefordert sind, jedoch räumliche Restriktionen, die Erwärmung der Kabel oder schlichtweg die Kosten für den Straßenaufriss gegen (zusätzliche) Kupferkabel sprechen. So fände auch Sonnenstrom aus der Wüste auf „coole“ Art und Weise den Weg zum Endverbraucher.